Denkanstösse: Bindung und Autonomie

Wie findet man eine gute Balance zwischen “ Beziehung leben“ und „Freiheit geniessen“? Wie lassen sich eigene Bedürfnisse erfüllen, ohne die wichtigen Beziehungen zu vernachlässigen?

Das ist schon Thema am Anfang des Lebens: Babies brauchen Schutz, Nähe, Nahrung und Beständigkeit. Der Aufbau der Eltern- Kind – Bindung steht im Vordergrund, für das Baby, sowie die Eltern. Um eine Beziehung zu dem anfangs noch unbekannten kleinen Menschen aufzubauen, gehört viel Zeit investiert (die meisten Eltern machen das instinktiv und gerne). Nur so kann man die verschiedenen Regungen und Gefühlsäusserungen verstehen, nur so kann eine verlässliche Basis aufgebaut werden. Doch was machen wir mit unseren erwachsenen Bedürfnissen, die nur weil wir Mutter oder Vater geworden sind nicht verschwinden? Prioritäten verändern sich, das bedeutet aber nicht Selbstaufgabe.

Sicherlich büßen die meisten Eltern in der Anfangsphase mit ihrem Kind, zugunsten von „Familienzeit“, an persönlicher Freiheit ein. Doch diese Phase ist zeitlich begrenzt und kluges Planen kann immer wieder Freiräume ausserhalb von Familienpflichten schaffen. Vorraussetzung für Freiheiten geniessen ist, dass Eltern ( besonders Mütter) sich bewusst werden, dass sie diese Bedürfnissen überhaupt noch haben und sich auch erlauben diese auszuleben.

Ab dem Moment der Geburt bewegt sich das Kind weg von den Eltern und möchte auf Basis einer guten und stabilen Bindung/ Beziehung die Welt kennenlernen und explorieren. Dies schafft das Kind nur, wenn die Eltern ihm auch Freiräume gewähren und auf seine Kompetenz vertrauen.

Auch in erwachsenen Beziehungen kann das Thema Bindung und Autonomie immer wieder zu Spannungen führen. Menschen haben manchmal zu viel von Einem und zu wenig von dem Anderen. Entweder fühlen sie sich eingesperrt und kontrolliert, oder sie haben permanent Angst ihre Beziehung zu verlieren und alleine zu sein. Eine stabile und glückliche Beziehung braucht die Autonomie jedes Einzelnen, die in eigenen Hobbys oder beruflicher Verwirklichung gefunden werden kann. Menschen sind aber nur miteinander verbunden, wenn sie auch wissen, was den Anderen bewegt. Dies geschieht meist im Gespräch abseits der Alltagspflichten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bindung und Autonomie hinzukriegen scheint eine der wichtigsten Lebensaufgaben.

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